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Contre l´oubli – Gegen das Vergessen

Im Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft begeben sich 20 deutsche und 20 französische Schülerinnen und Schüler auf eine gemeinsame Kulturreise, die sie zu historisch bedeutenden Orten des Ersten und Zweiten Weltkriegs führt. Vom 9. bis 20. Oktober 2024 besuchen die Jugendlichen ausgehend von Heidelberg die Gedenkstätte Vieil Armand im Elsass sowie die Städte Moulins, Roanne, Tulle und Oradour-sur-Glane. Während die Reise den interkulturellen Austausch der teilnehmenden Klassen des Hölderlin-Gymnasiums in Heidelberg und des Lycée Albert-Thomas in Roanne fördert, soll die gemeinsame Aufarbeitung der Vergangenheit als Basis der Gestaltung einer friedvollen Zukunft dienen.

Der Reise liegt ein umfangreiches kulturelles Programm zugrunde, das den Besuch von Museen, Denkmälern und Gedenkstätten umfasst. An jedem Ort der Begegnung setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit historischem Material auseinander, lesen und verlesen Briefe und Texte gefallener Soldaten und Zeitzeugen. 

Die Reise führt die Teilnehmenden auf die Spuren der Versöhnung. An symbolträchtigen Orten begegnen sie der Skulptur "Paperbomb", die als Friedenssymbol von der Künstlerin Nessi Nezilla geschaffen wurde. Während das Kunstwerk tief berührt, soll es die Beteiligten zum Nachdenken über die individuelle Verantwortung eines toleranten und respektvollen Miteinanders anregen. Auf pädagogisch-kreativer Ebene dient die "Paperbomb" als Inspirationsquelle, die erlebten Eindrücke künstlerisch zu reflektieren. 

Orte

Trotz der Kriege von 1870-71, 1914-18 und 1939-45, während derer Frankreich und Deutschland erbitterte Feinde waren, bilden diese beiden Länder heute den Motor Europas, der die Demokratie, internationale Zusammenarbeit und den dauerhaften Frieden sichert. Durch die Reise lernen die Jugendlichen, dass der Frieden nicht selbstverständlich ist und auch zukünftige Generationen aktiv für ihn eintreten müssen. Der Besuch historisch bedeutender Orte vermittelt den Schülerinnen und Schülern ein tieferes Verständnis für die Vergangenheit. Sie setzen sich mit den Folgen von Krieg und Gewalt auseinander und erweitern ihr Bewusstsein für die Relevanz eines umsichtigen Miteinanders. 

Die Orte, die im Rahmen der Reise besucht werden, verkörpern verschiedene Erscheinungsformen von Krieg und Gewalt. Der Hartmannswillerkopf war während des Ersten Weltkriegs ein Ort blutiger Schlachten und gewann im Zweiten Weltkriegs erneut strategische Bedeutung. Während in Oradour-sur-Glane und Tulle im Zweiten Weltkrieg brutale Massaker durch die Nationalsozialisten verübt wurden, war Moulins in dieser Zeit ein Zufluchtsort und eine Operationsbasis für französische Widerstandsgruppen. Ihre Verbindung zu den tragischen Ereignissen von Tulle und Oradour-sur-Glane unterstreicht die Bedeutung des lokalen Widerstands gegen die deutsche Besatzung. Daneben prägen diese Orte in diesem Jahr bedeutende Jahrestage: der 110. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs, der 100. Jahrestag der Errichtung des Hartmannswillerkopf-Denkmals sowie der 80. Jahrestag des Massakers von Tulle, des Massakers von Oradour-sur-Glane sowie der Landung der Allierten in der Normandie, die zur Befreiung vom Naziregime führte.

Hartmannswillerkopf
Hartmannswillerkopf

Der Hartmannswillerkopf, ein pyramidenförmiger Felsvorsprung im Vogesenmassiv, war während des Ersten Weltkriegs ein Ort heftiger Kämpfe zwischen deutschen und französischen Truppen. Einst ein erbittertes Schlachtfeld, ist er heute ein bedeutsamer Ort des Gedenkens. Der Berg, der als „Menschenfresser“ und „Berg des Todes“ bekannt ist, birgt die Geschichte von über 30.000 französischen und deutschen Soldaten, die hier ihr Leben verloren. Als eines der vier französischen Nationaldenkmäler des Ersten Weltkriegs, erinnert der Hartmannswillerkopf an die traurige Vergangenheit, die Frankreich und Deutschland verbindet. Heute sind die ehemaligen Schlachtfelder zwar bewaldet, jedoch sind die Spuren von Granateinschlägen noch sichtbar. Jährlich besuchen etwa 200.000 Menschen die Bergkuppe in den Südvogesen, wo sie sich in einem Labyrinth aus rund 60 Kilometern Schützengräben mit Überresten von etwa 600 Bunkern und Unterständen verlieren können.

Das Comité du Monument National du Hartmannswillerkopf (CMNHWK) hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Erinnerung an die gefallenen Soldaten zu bewahren. Der Verein setzt sich für die Erhaltung des ehemaligen Schlachtfeldes von 1914-1918 ein und legt großen Wert auf die Weitergabe der Erinnerung an zukünftige Generationen. Um dieses Ziel zu erreichen, errichtete das Komitee ein deutsch-französisches Erinnerungszentrum. Den Grundstein legten François Hollande, der damalige Präsident der Französischen Republik, und Joachim Gauck, ehemaliger Präsident der Bundesrepublik Deutschland, am 3. August 2014. Am 10. November 2017 wurde das Zentrum von Emmanuel Macron, dem Präsidenten der Französischen Republik, und Frank-Walter Steinmeier, dem Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland, feierlich eingeweiht. 

Besondere Unterstützung erhält „Un voyage contre l’oubli" von Jean Klinkert, Präsident des CMNHWK. Der Besuch des Denkmals, 110 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs und 100 Jahre nach der Gründung des CMNHWK, ermöglicht es den Schülerinnen und Schülern, die Grausamkeit und Sinnlosigkeit des Krieges hautnah zu erfahren. Beim Erkunden der gut erhaltenen Schützengräben, Denkmäler und Gedenkstätten können sie eine emotionale Verbindung zu den historischen Ereignissen herstellen und die tiefgreifenden Auswirkungen des Krieges auf Soldaten und Zivilisten verstehen. Die seit diesem Jahr am Hartmannswillerkopf ausgestellte "Paperbomb" dient als Rahmen emotionaler Reflektion.

Moulins
Moulins

Trotz vergleichsweiser geringer Zerstörungen wurde Moulins als "strategisches Bollwerk des Widerstandes" Zufluchtsort und Operationsbasis für Widerstandsgruppen. Moulins lag in der Zeit der deutschen Besatzung Frankreichs auf der französischen Demarkationslinie. Hier verlief die Grenze zwischen dem von NS-Truppen besetzten Frankreich und der ‚zone libre‘ des ‚état francais‘ unter dem rechtsnationalistischen Regime von Pétain. So wurde Moulins zu einem wichtigen Durchgangspunkt für diejenigen, die die besetzte Zone verlassen wollten. Hilfstruppen stellten den Tausenden von Flüchtlingen Mahlzeiten bereit. Die Beteiligten entwickelten kreative Techniken, um die Demarkationslinie zu überwinden, erleichterten den Durchgang von Flüchtlingen und führten Widerstandsaktionen durch.

Obwohl die Tragödien von Tulle und Oradour-sur-Glane weit entfernt waren, stärkten diese die Entschlossenheit der Bewohner, sich gegen die deutsche Besatzung zu wehren. Die Grausamkeit der Besatzungstruppen steht dem Mut und der Entschlossenheit der lokalen Bevölkerung gegenüber. 

Tulle
Tulle

Die Stadt Tulle ist verbunden mit gewalttätigen Vergeltungsmaßnahmen der deutschen Truppen gegen die französische Widerstandsbewegung. Das Massaker von Tulle verdeutlicht die Brutalität der nationalsozialistischen Besatzung. 

Nach der Landung der Alliierten in der Normandie am 6. Juni 1944 intensivierte die französische Bevölkerung, insbesondere die Francs-tireurs et partisans français (FTPF), ihre Widerstandsbemühungen, um die deutschen Besatzungskräfte aufzuhalten. Die Region Corrèze, insbesondere die Stadt Tulle, wurde zu einem aktiven Zentrum des Widerstands. Am 7. Juni starteten die FTPF eine Offensive heftiger Kämpfe, bei der es ihnen gelang, Tulle weitestgehend zu verteiligen. Schon am nächsten Tag griff die in der Nähe stationierte SS-Division "Das Reich" ein und eroberte die Stadt zurück. Am Morgen des 9. Juni versammelten die SS-Soldaten rund 3.000 männliche Bürger, nachdem sie eine Erklärung veröffentlicht hatten, in der sie die Widerstandskämpfer beschuldigten, 40 deutsche Soldaten getötet zu haben, und Vergeltungsmaßnahmen ankündigten. Nach einer ersten Auswahl wurden die für die Wiederaufnahme der Aktivitäten in Tulle nützlichen Männer freigelassen. Eine zweite, willkürliche Auswahl führte zur öffentlichen Erhängung von 99 Männern an Balkonen und Laternenmasten am Platz Souilhac in Tulle. Die Leichen der Männer wurden in Massengräbern verscharrt. Anschließend wurden 149 Einwohner in das Konzentrationslager Dachau deportiert, von denen nur 48 lebend zurückkehrten.

In Tulle wird Roland Gonieau, Präsident des Märtyrerkomitees, den Schülerinnen und Schülern einen bewegenden Einblick in die tragischen Ereignisse geben. 

Die im Juni 2024 installierte Skulptur "Paperbomb" befindet sich am zentralen Gedenkort, dem Champ des Martyrs, den die Jugendlichen am 19. Oktober besuchen werden.

Oradour–sur–Glane
Oradour–sur–Glane

Im französischen Dorf Oradour-sur-Glane verübten die Nationalsozialisten 1944 eines der größten deutschen Massaker in Westeuropa. Während des Zweiten Weltkriegs begang die SS-Panzerdivision "Das Reich" nach Partisanenangriffen ein Kriegsverbrechen, bei dem der Ort vollständig zerstört und fast alle seine Einwohner ermordet wurden. 

Am 10. Juni 1944, nur wenige Tage nach der Landung in der Normandie, überfiel die Division „Das Reich“ das Dorf. Sie versammelten alle Einwohner, darunter zahlreiche spanische, elsässische, lothringische und jüdische Flüchtlinge, auf dem Marktplatz und trennten alle Familien. Die Männer wurden in Scheunen eingesperrt, während alle Frauen und Kinder in die Kirche gebracht wurden. Anschließend eröffneten die SS-Truppen das Feuer. Sie töteten 642 Menschen, darunter 205 Kinder. 

Nach dem Massaker plünderten und brannten die Soldaten Oradour nieder und verwandelten es in eine Geisterstadt. Das Dorf wurde nie wieder aufgebaut, blieb jedoch als Mahnmal erhalten. Die Ruinen sind heute ein Ort des Gedenkens, der vor den Schrecken menschlichen Handelns in Konfliktzeiten warnt. Das Massaker von Oradour symbolisiert die tödliche Kriegsgewalt, die während des Zweiten Weltkriegs in vielen Teilen Europas begangen wurde, und verdeutlicht die Wichtigkeit der Bewahrung des Gedächtnis an die Opfer. Auch in Oradour-sur-Glane werden die Schülerinnen und Schüler eine inzenierte Lesung durchführen. Die "Paperbomb", welche 2025 am Nordeingang des zerstörten Dorfes dauerhaft platziert wird, bestärkt die deutsch-französische Freundschaft, die eine Grundlage der Verhinderung zukünftiger Verbrechen bildet.

Programm

Nezillas "Paperbomb", welche die Bedeutung des Friedens künstlerisch reflektiert, begleitet die Schülerinnen und Schüler auf ihrer Reise. 

Die Reise führt die Beteiligten an geschichtsträchtige Orte, die durch den Ersten und/oder Zweiten Weltkrieg gezeichnet sind. Während sich die Schülerinnen und Schüler schon vor deren Besuch mit Briefen und Texten gefallener Soldaten und Zeitzeugen auseinandersetzen, erlangen sie einen emotionalen Einblick in Ereignisse. Die gelesenen Texte werden in öffentlichen Lesungen in Heidelberg, der Gedenkstätte Vieil Armand, Moulins, Roanne, Tulle und Oradour-sur-Glane lebendig inszeniert. 

  • Mittwoch 09.10.2024

    ➤ Heidelberg
    Ankunft und Kennenlernen der französischen und der deutschen Schüler in Heidelberg
    Übernachtung in Heidelberg bei den deutschen Schülern

  • Donnerstag-Samstag 10.-12.10.2024

    ➤ Heidelberg
    Kennenlernen & Proben

  • Sonntag 13.10.2024

    ➤ Heidelberg
    15.00 Uhr — Premiere: Szenische Lesung der Schülerinnen und Schüler

  • Montag 14.10.2024

    ➤ Heidelberg
    Besuch des Heidelberger Schlosses
    Stadtbesichtigung
    Abfahrt Richtung Elsass
    Übernachtung in Colmar

  • Dienstag 15.10.2024

    ➤ Hartmannswillerkopf / Vieil Armand
    Besuch der Gedenkstätte Vieil Armand und der "Paperbomb" vor der Krypta
    11.00 Uhr — Szenische Lesung der Schülerinnen und Schüler vor dem Eingang der Krypta
    Abfahrt Richtung Moulins
    Übernachtung in Moulins

  • Mittwoch 16.10.2024

    ➤ Moulins
    Besichtigung der "ligne de démarcation"
    Besuch des Museums Centre National du Costume de Scene (CNCS)
    Friedens-Workshop im Atelier des CNCS
    Übernachtung in Moulins

  • Donnerstag 17.10.2024

    ➤ Moulins
    Treffen mit Madame Pascale Trimbach, Préfète de l’Allier
    11.00 Uhr — Szenische Lesung der Schülerinnen und Schüler
    Abfahrt Richtung Roanne
    Übernachtung in Roanne bei den französischen Schülern

  • Freitag 18.10.2024

    ➤ Roanne
    Entdeckung der Partnerinstitution durch die Deutschen
    Unterricht mit den Austauschschülern
    15.00 Uhr — Szenische Lesung der Schülerinnen und Schüler 
    Abfahrt nach Tulle
    Übernachtung in Tulle

  • Samstag 19.10.2024

    ➤ Tulle
    Besichtigung der Stadt und des Denkmals
    Besuch der Skulptur "Paperbomb"
    15.00 Uhr — Szenische Lesung der Schülerinnen und Schüler im Veranstaltungssaal
    Abfahrt nach Oradour
    Übernachtung in Oradour

  • Sonntag 20.10.2024

    ➤ Oradour-sur-Glane
    Besichtigung der Stadt und des Denkmals
    11.00 Uhr — Szenische Lesung der Schülerinnen und Schüler am Nordeingang des zerstörten Dorfes
    Heimfahrt über Roanne nach Heidelberg

Organisatoren und Beteiligte

Folker Zöller — Honorarkonsul und Initiator des Projekts "Contre l´oubli – Gegen das Vergessen"

Nessi Nezilla — Künstlerin und Erschafferin der "Paperbomb"

Juliette Luquet — Geschäftsführerin des Institut Français Mannheim

 

Hölderlin-Gymnasium in Heidelberg
Sibylle Treugut
— Lehrerin und Organisatorin der Drittortbegegnungen auf deutscher Seite
Natalie Dürr — Lehrerin

Lycée Albert-Thomas in Roanne
Danièle Sadowski
Lehrerin und Organisatorin der Drittortbegegnungen auf französischer Seite
Élodie Fontaine — Lehrerin

 

Weitere Kreativ-Mitwirkende

Émilie Weiss — Regisseurin und Schauspielerin

Toni L. — Rapper

Bryan Vit — Rapper

Ralf Engelsmann — Fotograf

Eric Carjot — Filmemacher

Yannis Dumoulin — Filmemacher

 

Förderer

Die "Reise gegen das Vergessen" steht unter der Schirmherrschaft von S.E. François Delattre, Botschafter von Frankreich in Deutschland und S.E. Stephan Steinlein, Botschafter von Deutschland in Frankreich.

Freundlich unterstützt wird die Voyage vom Salon Diplomatique Mannheim, dem Institut Français Mannheim, dem Verein Le Souvenir français, Les 80 ans de la Libération, Dr. Richard Heil, dem Comité des Martyres de Tulle sowie dem Comité du monument National du Hartmanswillerkopf.

 

Schlusswort

In einer Welt im Wandel, konfrontiert mit der Dominanz des Bildes, der Hypervernetzung, der Fülle von Propaganda und Fake News, können die jungen Generationen und unsere Mitbürger oft das Gefühl haben, den Boden unter den Füßen zu verlieren, sowohl mit der Vergangenheit als auch mit einer immer weiter entfernten Geschichte; einer Geschichte, die nicht mehr durch die Erzählungen derer, die sie erlebt haben, zu ihren Ohren gelangt.

Ob es sich um den Ersten Weltkrieg oder den Zweiten Weltkrieg handelt, das Engagement, der Widerstand und das Opfer unserer Vorfahren haben unseren Kontinent geprägt, seine Werte und seine Fähigkeit, die Welt zu erhellen, indem sie Totalitarismus und Extremismus vermieden. Diese Kraft des europäischen Menschen wird morgen in den Händen der jungen Generationen liegen, die allmählich die Verantwortung für unsere Gesellschaft übernehmen müssen, ohne zwangsläufig das gleiche Gewicht der Geschichte in ihrer eigenen Erfahrung zu haben, das unser Bewusstsein geprägt hat. Auf vielen Gebieten beschränkt sich die Erinnerung oft auf die Anwesenheit von Kriegerdenkmälern, um die sich Jahr für Jahr eine immer klarere Gemeinschaft versammelt, vielleicht müde von allzu routinierten Gedenkveranstaltungen, die oft nur vom nationalen Kalender diktiert werden.

Das Projekt „Voyage contre l‘oubli“ vereint mehrere innovative Faktoren für eine überdachte Erinnerungsvermittlung, die in der Lage ist, die Bevölkerung eines Gebiets zu mobilisieren: Das monumentale Werk „PaperBomb“ der Künstlerin Nezilla bringt einen neuen Gedanken und die Fähigkeit, in einer codierten Erinnerungslandschaft zu überraschen. Ihre Präsenz in einem Gebiet kann nur den Passanten befragen und seine Reflexion öffnen: Welche Symbolik verbirgt sich hinter dieser Papiersprengbombe? Die eines freien Presseartikels, der in der Lage ist, eine Welt der codierten Kommunikation zu erschüttern, oder die einer Welt, die Diskussion und Ideenbekämpfung gegenüber dem Einsatz von Waffen bevorzugt? Indem es sich dauerhaft in das Gebiet einfügt, wird das Werk der Künstlerin NEZILLA Monat für Monat, Jahr für Jahr, die Geister und Gewissen wachrufen.

Indem es die Präsentation dieses Werks mit einem künstlerischen Ansatz aus einem Theaterstück und zeitgenössischer Musik verbindet, nimmt der Erinnerungsaustausch eine menschliche und moderne Form an, die durch aktuelle intergenerationelle Codes ansprechend ist. Sie stärkt die Fähigkeit des Publikums, die Botschaft der Erinnerungsvermittlung vollständig zu erfassen, und verhindert so das Vergessen der Bedeutung und Kraft der Geschichte. Auf diese Weise erhält die Erinnerungsvermittlung ihre unerlässliche Dimension für den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft zurück. Durch die Auswahl von Gebieten, die von verschiedenen Konflikten verwüstet wurden,verleiht der Ansatz des Projekts der Erinnerung ihre ganze Kraft zurück: die Bedeutung von Ereignissen und Engagements wird unabhängig von der Zeitperiode, die uns von ihnen trennt, gleichermaßen berücksichtigt. Ja, die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg bringt genauso viele Lehren wie die des Zweiten Weltkriegs; und auch wenn sie sich unterscheiden, ergänzen sich diese Lehren und öffnen denselben intellektuellen Aufbau, der dieses menschliche Bewusstsein ausmacht, das wir von unseren jungen Generationen erwarten.

Indem es sich in eine deutsch-französische Dimension einfügt, greift das Projekt die Handlungsweisen von François MITTERRAND und Helmut KOHL oder von François HOLLANDE und Joachim GAUCK auf, die in der Lage waren, ihre Einheit in Verdun, am Hartsmannswillerkopf oder in Oradour-sur Glane zu zeigen, indem sie das Gewicht der Geschichte überwanden, um sich in ein gemeinsames Schicksal einzutragen, das auf eine Zukunft zum Wohl der Einheit und des Gleichgewichts unseres europäischen Kontinents ausgerichtet ist. Ja, die Gedenkarbeit der Schülerinnen und Schüler des Projekts wird sie in die Lage versetzen, eine neue Dimension zu erreichen, die aus der nun offenen Diskussion über die Geschichte mit ihren Kollegen aus dem benachbarten Land resultiert. Ja, die Bevölkerung jedes Gebiets, das von diesem Projekt belebt wird, wird die Erinnerung nun anders betrachten und dazu beitragen, ihr Vergessen zu vermeiden. Aber mehr noch, alle werden sich zusammenschließen, um in der Lage zu sein, sich dem erlebten Zeitdruck zu entziehen und ihre Überzeugungen sowie sicherlich eine bessere Zukunft zu formen.

Philippe HANSCH
Direktor des Weltzentrums für Frieden, Freiheiten und Menschenrechte